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11.08.2007 Focus 24h Duisburg (Big Al)

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24h-MTB Duisburg
24h- Duisburg!!!

Es war wie vor jedem Rennen – Vorfreude vermischte sich mit der bangen Frage ob man sich so etwas wirklich antun sollte. Die Freude auf das Rennen vermischte sich mit zunehmender Nervosität. In den zwei Wochen vor dem Start wurde nur noch kohlenhydratreich Gegessen – also Nudeln, Nudeln und noch mal Nudeln! Die Technik wurde bei BB nochmals gecheckt – Alles Startklar.
Zwei der wagemutigen Starter waren also am Ort des Geschehens angekommen.

Am Donnerstag Abend, mit über 500 Autobahnkilometern im Hintern , in Duisburg angekommen, wurde das Lager bei Freunden meines Chef´s aufgeschlagen.

Freitagmorgen ging es in den ehemaligen Industriepark, jetzt ein reizvoller Landschaftspark, von Duisburg. Nach langen Diskussionen der einheimischen Starter (8ér Team Heartattack – 3facher Duisburger Stadtmeister im MTB) mit den Organisatoren, konnten wir das Lager für das 8ér, unser 4ér und die beiden Chemnitzer Einzelstarter Henning Fitzner und Matthias Müller direkt an der Strecke, ca. 400m hinter dem Start aufbauen. Lange Rede, kurzer (un-)Sinn – gegen 15.00 Uhr stand das Lager. Jetzt gab es für mich nur eins – endlich rauf auf´s Rad und Streckenkenntnis sammeln.
Nach ¼ der Strecker der Brecher: Stahlbrücke – Stahltreppe als Tragestück von ca. 5m länge – 25m Treppenabfahrt! Völlig verkrampft holperte ich die schwierig zu fahrende Treppe runter und hatte meine liebe Mühe nicht vom Rad zu fallen! Mit dem Gedanken: „das kann ja im Rennen heiter werden“ ging es auf den Rest der Runde. Diese zeigte sich dann technisch Einfacher. Knappe 7,6 km mit etwas über xx Höhenmetern. Die Höhenmeter waren aber nicht wie in Rabenstein -lange aber gemächliche Anstiege- sondern in 3 recht saftigen Bergen verteilt. Bei der Trainingsrunde kein unüberwindbares Problem – aber mit Blick auf 24h doch sehr deftig.
Am Abend trafen dann unsere beiden anderen Teampartner ein. Mir völlig unbekannt – nur mit der Ankündigung das die Zwei recht gut dabei seien. Wir waren komplett: C.A.S.T. Luzern – C hristian. A lex. S tefan. T ino – weiteste Anreise Christian aus Luzern!
Abends gab´s – RICHTIG – Pasta! Bei dem Abendessen wurde ausgewertet das man meine Stützräder erst kurz vor dem Chemnitzer 24h-Rennen abmontiert habe – also schon ein vorfristige Ausrede für eventuelle schwache Leistung – für mich kein Problem da ich wirklich nur wenig trainiert hatte und mich in dem starken Team als schwache Stelle vermutete! Wie stark das Team wirklich war, sollte sich in den nächsten 36h zeigen.

Renntag: 10 Uhr anreise an den Ort des kommenden Martyriums – individuelle Rennvorbereitung und Auslosung des Starters für unser Team. Nachdem das getan war, wollte Christian noch mal eben eine Runde zum einkurbeln fahren. Was bei ihm lockeres einfahren war, beschleunigte meinen Puls in den 3 Anstiegen mal eben auf 185 Schläge! Toll! Eine feine Motivation für´s Rennen. Jetzt wurde mir erst richtig bewusst was hier auf mich zukommt – jede Runde voll am oder besser über dem Limit und trotzdem langsamster sein. Zu allem Überfluss wurde beschlossen, in der Teamnamenreihenfolge zu fahren. Scheiße – ich als zweiter Fahrer.
13 Uhr Start der 1ér und 2ér Teams, 13.10 Uhr der Rest! Mein Magen fing an zu rebellieren und der Puls stieg auf 125 Schläge ohne nur einen Meter gefahren zu sein! Die Gewissheit das ich noch knapp 18 Minuten Zeit für die mentale Vorbereitung haben würde half mir, nicht in der Wechselzone vom Rad zu fallen. Christian war im Starterfeld ziemlich weit hinten hängen geblieben Platz 142 – ich würde also noch etwas Zeit haben wenn die ersten 4ér die Wechselzone Passieren würden! Als die ersten 4ér in die Wechselzone kamen dachte ich an nichts schlimmes – bis Christian nach knapp 16 Minuten auf Platz 12 in der Wechselzone auftauchte! Ich, nicht eingeklickt, Brille in der Hand, musste ob ich wollte oder nicht auf meinen 1. Turn! Volle Pulle, hart am Limit riss ich die Runde runter, flog förmlich über die Angststelle Treppe und war 17,17 min später wieder in der Wechselzone. Dort, alles blockiert, war ein perfekter fliegender Wechsel selbstverständlich unmöglich! Naja!
Das Wetter war gut, zu gut, nur Staub! – die Lunge brannte öfter und der Schweiß lief in strömen. Staub, Schweiß und verschüttetes Powergetränk in Kombination ergibt nach einigen Stunden eine betonartige Maße die sowohl Fahrer als auch Räder in einen schicken Mantel hüllte.
Runde 7 brachte den ersten brutalen Tiefschlag für C.A.S.T. Luzern!
Kurz nach dem Wechsel, bei einem etwas übermotivierten Überholversuch, legte Stefan einen filmreifen Abstieg über den Lenker hin. Mensch und Maschine fielen aus!
Sofort wurde der Wechselturnus von der 1-Runden-, auf eine 2-Runden-Strategie umgestellt. Kurzzeitig in Sicherheit wiegen sollte mich die Aussage von Christian und Tino, dass wir etwas Tempo rausnehmen müssten, um mit konstanten Zeiten durch die verbleibenden 22h zu kommen. Wie gesagt, kurzzeitig. Als Christian nach 19 Min von seiner „langsamen“ Runde zurückkam, war ich schon etwas beruhigt – bis er fluchend berichtete das er einen Snakebite hatte und seinen Schlauch wechseln musste. Was bei den zweien Tempo rausnehmen meinte, war in Wirklichkeit: die Kaputten fuhren konstant hohe 16ér, tiefe 17ér Zeiten! Zur Erinnerung: meine beste Runde war, und sollte es auch bleiben, 17:17:02 Min!!!
Unverdrossen kurbelten die verblieben 3 weiter, die Treppe lief bei mir, nach einem Treppen-Fahrtechnik-Crashkurs von Christian, immer sicherer und schneller.
Runde 42 brachte uns, gegen 2.15 Uhr in der Früh, den Finalen Niederschlag! Als nach über 20 Min keiner der beiden, dafür aber ein Krankenwagen in Richtung Wechselzone, an unserem Lager vorbei kam wurde ich Nervös! Hatten wir Tino einfach nur nicht gesehen und Christian war noch eben zur Verpflegungsstation gegangen? Weitere 20 Min später ging ich auf die Suche. Im Fahrerlager kam mir der Krankenwagen entgegen. An´s Fenster klopfend fragte ich den Fahrer ob der verletzte ein Chemnitzer sei – dann der Schock – die dumme Sau sagt auch noch JA! Wie sich später herausstellte, wurden Tino und Christian in der Wechselzone abgedrängt – Christian verfing sich mit dem Lenker in einem Absperrzaun und stürzte folgenschwer vom Rad über eben diesen Metallzaun! -> Schulter ausgekugelt, Kinn derbe offen und blutend, Verdacht auf Schäden im Hals!
Zurück an unserem Platz war Tino, völlig fertig, da. Jetzt machte er sich auch noch schwere Vorwürfe das er Christian indirekt in den Zaun gedrängt habe.
Uns war die Lust auf eine Weiterfahrt gründlich vergangen, da ja auch keine wusste was mit Christian ist. RENNENDE auf Platz 13 liegend und vor uns auch noch 8 Profi-Teams!

Nach einigen Telefonaten mit dem Krankenhaus schlief ich am Streckenrand ein. Als ich 2 Stunden später die Augen öffnete, galt die ersten Frage an Tino natürlich Christian. Was ist mit ihm, wann können wir ihn Abholen? Tino hatte sein lächeln wieder gefunden! Er zeigte wortlos neben mich! Da lag er, Kinn mit 4 Stichen genäht, Arm in der Schlinge aber sonst O.K.
Die folgenden Stunden verbrachten wir mit Hilfestellung für die zwei Einzelstarter und das lokale 8ér-Team.

Für uns als 4ér war alles gelaufen –durchgereicht auf Platz 142 – Tendenz fallend. Sollte das alles gewesen sein? War das einzige was wir noch tun konnten Trinkflaschen reichen! NEIN - Gegen Neun, die Kraft von Henning schwand, auf Platz 4 liegend, immer mehr, erinnerte ich mich an die „Edelhelfer“ auf der Tour ´de France. Da ich mich im eigen Team nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte war sie da, meine Chance auf eine Heldentat! Bis zum Rennende 13:00 bot ich Henning ein wenig Windschatten, motivierte am Berg und tat alles in meiner Macht stehende um Henning zu helfen.
Auf der langen, staubigen geraden der Strecke gab Henning, 10 cm hinter meinem Rad Anweisung: etwas schneller, 28km/h, geht noch was, 30 km/h, los da ist noch was drin, 32 km/h. Der Scherzkeks! Was dieser Typ nach 22h auf dem Rad noch aus seien Waden quetschte, brachte mich kurz vor 13 Uhr an meine Grenzen. Auf der letzten Runde forderte Henning noch mal 34 km/h – die Gerade hätte keine 500m länger sein dürfen!
Ein endgeiles Gefühl gab es aber als Belohnung für die Schinderei auch noch!
13.10 Uhr, Zielgerade, rechts Henning, links Matthias an hochgerissen Händen, ging es durch die jubelnde Menge über den Zielstrich.

Henning 4., Matthias solider 14. in der Einzelwertung , C.A.S.T. Platz 142 in der 4ér gehalten, die Duisburger wieder Stadtmeister und 2. Platz im 8ér Mixed! – Ein geiles Wochenende! Höhen und Tiefen lagen nah beieinander!
Wiederholung ist schon geplant! Um nächstes Jahr nicht wieder neben den teameigenen Profis abzustinken heißt es jetzt:
TRAINING, TRAINING, TRAINING!!!

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